VOM KLANG DER WELT – ABSCHLUSSPERFORMANCE IN SEEON 2018

By 20. August 2018 Bildergalerien
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Mit einem vollen Haus und einer fulminanten Aufführung fand die letzte Aufführung vom Klang der Welt statt.

Kloster Seeon lud ein und das Projekt fand damit einen ansprechenden Rahmen für die letztmalige Aufführung. Schon lange vorher waren die Plätze ausreserviert. 16 Künstler aus verschiedenen Regionen der Welt zeigten begeistert dem Publikum ihre heimatlichen Lieder, Gesänge, Geschichten und Tänze. Wirklich gelungen war die Veranstaltung, als sich ebenfalls einheimische Künstler und Musikanten dazugesellten und so mit einem konstruktiven Miteinander eine einmalige Vorstellung dargeboten wurde. Die Künstler brachten Ihre heimischen Instrumente mit und ließen diese erklingen. Rhythmische Töne rissen das Publikum mit. Mit den Tanzdarbietungen wurden Geschichten aus der Heimat erzählt.

Das Projekt “VOM KLANG DER WELT” bekam in diesem Jahr den bayerischen Integrationspreis. Dies ist eine hohe Anerkennung der vielen Arbeit, die hinter so einer Aufführung steckt.

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VOM KLANG DER WELT

Eine kleine Geschichte

Es geht in dem Projekt vor allem darum, über die Sprache von Musik , Tanz, Lied und Geschichten in Kommunikation zu treten, einander zuzuhören und Respekt für die einzelnen Ausdrucksformen zu erhalten, das war auch eine wichtige Erfahrung für alle Beteiligten, denn in den Ländern, aus denen unsere Akteure kommen, ist man nicht so international ausgerichtet, und das war für alle Beteiligten auch eine wunderbare, tragende Erfahrung, die darin mündete, zu sagen “Wir haben unsere Familien verlassen, hier haben wir wieder eine neue Familie gefunden.“

In Pittenhart lebten in einem Haus u.a. 10 Syrer. Gleich zu Beginn erfuhr ich, dass einer von ihnen professioneller Tänzer ist, ein anderer spielte die Oud und bat um ein Instrument leihweise. So kam es, dass wir uns mit dem Musiker Herbert Walter trafen, mit dem ich schon lange zusammen arbeite. Nach diesem Treffen war in mir die Idee geboren, mit Musik, Tanz und Geschichten ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, andere Leute zu suchen und zusammen zu bringen.

Ich schrieb an alle Helferkreise und lud alle bühnenerfahrenen Refugees über diese Kontakte zu einem Treffen ein. Die Grundlage für das Projekt war geboren. Zunächst waren die Begegnungen noch sehr vorbehaltlich, es kamen zwei Senegalesen, der eine war Tänzer, der andere Trommler, es kamen drei junge Leute aus Iran und Afghanistan, zwei Eriträer, die singen und tanzen können und die Krar spielen und ein nigerianischer Storyteller. Auch Stefan Fusseder, bekannter Akkordeonist aus dem Chiemgau kam sowie Corinna Spieth, Choreografin aus Traunstein. Und von Anfang an war Klara Führen, Erzählerin aus Prien dabei

Bei unserem ersten Treffen im Februar 2016 machten wir ein Teamspiel, das viel Spaß machte und die Stimmung sofort lockerte. Zunächst hörten wir einander zu, jeder zeigte etwas von dem, was sie/er konnte. Im weiteren Verlauf arbeitete ich mit Teamspielen und bestimmten Übungen aus der Theaterpädagogik, was meist recht spaßig war. In zehn je Vierstündigen Proben habe ich eine Reise entwickelt, die mit dem Mythos beginnt, wie der Klang auf die Welt kam. Ich habe alle Qualitäten der Akteure eingebaut, miteinander verbunden und in Europa zusammen kommen lassen. Mit dem Bedürfnis der Jugendlichen, die Moderne sprechen zu lassen, ist auch zum Ende hin ein HipHop Tanz zu erleben, bei dem alle mitwirken. Ganz am Ende wird mit dem Lied Kujakujajo die Friedensbotschaft von Ababakar, unserem senegalesischen Tänzer gesungen.

Im Laufe der Zeit von eineinhalb Jahren, in denen wir unser Projekt vor ca. 1000 Zuschauern neun Mal im Chiemgau zeigen konnten, wuchs die Gruppe immer mehr zusammen. Jede Probe war erst Mal ein Wiedersehensfest. Mit den Aufführungen wuchs auch die Bühnenpräsenz, sowie der Mut, mit guter Energie und ohne Angst seine Lieder zu singen oder auch mal Deutsch zu sprechen, sodass die Aufführungen immer besser wurden. Wir mussten uns allerdings auch von einigen unserer Freunde verabschieden. Abschiebungsbriefe oder auch Wohnortswechsel hießen uns Abschied zu nehmen. Aber wie es auf Reisen ist, kamen andere KünstlerInnen zu uns und mit neuen Elementen wurde der Klang der Welt verändert und erweitert.

Das Projekt wurde in dem Grossformat mit allen (inzwischen auch neuen Akteuren, da einige uns verlassen mussten) noch einmal aufgeführt, anlässlich des Integrationspreises und zwar am 3.März 2018 im Kloster Seeon und wir sind sehr froh, dass das möglich war.

Wie wird es weiter gehen?

Zur Weiterführung: Wir haben das Projekt in anderer Form schon weiter entwickelt. Es hat im Oktober den Teil „Afrika erzählt Vom Klang der Welt 2“ in Unterwössen gegeben, und im April, am 22.4. 2018 werden wir uns in Unterwössen dem Orient widmen.

Ein dritter Teil, Europa, Traum und Wirklichkeit ist geplant, aber noch unsicher.
In Stuttgart hatten wir eine Begegnung mit anderen geflüchteten Künstlern und dort im Lindenmuseum mit einem Teil unserer Gruppe und den Stuttgartern eine Performance „Vom Klang der Welt , eine Reise …” realisiert, das war am 5. Mai 2018. Siehe dazu

Was mir wichtig ist:

Mir ist wichtig, dass durch diese Arbeit die Teilnehmenden sich untereinander wertschätzen lernen, sich an ihren Fähigkeiten erfreuen und sie kreativ umsetzen können. Mir sind gemeinsam gestaltete Elemente über die kulturellen Identitäten hinaus wichtig, wir haben ein Rhythmus Klangkörper, bei dem alle mitmachen und einen choreografierten Tanz, in dem Corinna Spieth die verschiedensten Tanzschritte der Tänze, die unsere Leute mitbrachten, eingebaut und choreografiert hat. Das war die schwerste Arbeit, aber jetzt ist es wie ein Markenzeichen, denn die Musik dazu ist Europäisch.

Dann ist mir sehr wichtig, was im Publikum geschieht, es kommen zu den Aufführungen die verschiedensten Menschen aus allen Kulturen und Nationen, und jeder nimmt begeistert Anteil am Bühnengeschehen. Manch ein Afghane weint bei einem Lied und neben ihm sitzt vielleicht ein Deutscher und ist berührt, oder verschiedene Menschen sitzen nebeneinander und verfolgen gemeinsam begeistert das Bühnengeschehen, sodass einmal vergessen wird über Unterschiede nachzudenken – ein Miteinandergefühl von Mensch zu Mensch.  So entsteht ein ganz anderes Bild zum Thema Flüchtlinge. Sie haben etwas mitgebracht und geben uns etwas und das macht sie selbst sehr glücklich.

Wie kam es dazu, dass ich mich um den Preis beworben habe?

Ich wurde von einem Bekannten auf den Preis aufmerksam gemacht, dachte zwar, das wird eh nix, hab mich dann aber doch beworben, und nicht damit gerechnet, dass ich/wir ihn bekommen würden. Warum die Jury sich für uns entschieden hat weiß ich nicht. Wir bekommen für den Preis eintausend Euro und wir wissen auch schon, was wir damit machen.

Wir haben etliche Filmarbeiten gemacht und bereits eine DVD produziert. Jetzt werden wir noch einen kleinen Dokumentarfilm über das Projekt und seine Entwicklungen machen, insofern ist es gut, dass wir hier etwas damit finanzieren können. Außerdem werden wir uns treffen und zusammen feiern.

Wir danken auch sehr den Förderern und UnterstützerInnen dieser Arbeit. Die Fortsetzung wird vor allem von der Erzdiözese München – Freising finanziert. Ohne diese Unterstützung könnten wir nicht weiter arbeiten.

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